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am 19. Juni 2013

Expertin Anita Lautemann im Interview

Die Grünen Kärnten - In einem Interview mit den Kärntner Grünen spricht die Expertin Mag. Dr. Anita Lautemann über ihre Imkerleidenschaft und ihre persönlichen Erfahrungen zum Bienensterben.

Im Rahmen der Enquete des Kärntner Landtags sprachen fünf ExpertInnen zum Thema „Schutz der Biene“. Unter ihnen war auch die Biologin, Biobäuerin und Imkerin, Mag. Dr. Anita Lautemann. In einem Exklusiv-Interview mit den Kärntner Grünen spricht die Expertin über ihre Imkerleidenschaft und ihre persönlichen Erfahrungen zum Bienensterben. Im Vorjahr sind an einem Bienenstand zwei Drittel ihrer Flugbienen den Neonicotinoiden zum Opfer gefallen. Trotz der prekären Lage eröffnet die Biologin neue Perspektiven und Alternativen im Umgang mit der Thematik. Sie schildert notwendige Maßnahmen und sieht die Biolandwirtschaft als einen möglichen Ausweg. Was Lautemann zu Folge in der Bienendebatte vollkommen untergeht? – Lesen Sie nach.​

Woher kommt ihre Leidenschaft für die Bienen?

Lautemann: Ich hatte in der Schule einen Vortrag zu Bienen und Imkerei gehört und war sofort begeistert. Dieser Begeisterung ist es zu verdanken, dass ich mehrere Imkerkurse und auch den Imker-Facharbeiterkurs absolviert habe. Auch war ich fünf Jahre lang hauptberuflich an der Imkerschule in Kärnten tätig. ​

Bienensterben, Neonicotinoide,... - Wo liegt Ihrer Meinung nach das größte Problem?

Lautemann: Das Gefährliche an Neonicotinoiden ist, dass sie das Immunsystem der Biene lahm legen. Das bewirkt, dass sie andere Parasiten wie es beispielsweise die Varroa ist, nicht abwehren können. Wenn die Bienen mit den Beizmitteln in Berührung kommen – und dabei reichen schon die kleinsten Mengen aus – verlieren sie ihre Orientierung, finden ihren Bienenstock nicht wieder und sterben. ​

Ihren Ausführungen zu Folge wird auch ein Teil der Winterverluste von Bienenvölkern (im Winter 2011/2012 waren es österreichweit 25 bis 30 Prozent) den ausgebrachten Giften zum Opfer gefallen sein.

Lautemann: Die zunehmende Anwendung der Pestizide im Getreidebau hat zur Folge, dass auch der Ackersenf, der als Nachfrucht im Spätsommer angebaut wird, noch giftigen Nektar und Pollen absondert. Wissenschaftlichen Untersuchungen zufolge spielt diese Tatsache bei den stetig steigenden Winterausfällen eine bedeutende Rolle.
Daten, Zahlen und Fakten sind das Eine. Es wird einem aber ganz anders, wenn man die Situation selbst hautnah erlebt. Nachdem im vergangenen Frühjahr in der Nähe unseres Hofes der mit Neonicotinoiden gebeizte Mais gesetzt wurde, haben wir bei dem betroffenen Bienenstand 50 % der Flugbienen verloren. Die Bienen flogen in den folgenden Regentagen aufs Maisfeld, um Wasser zu holen. Was die Bienen nicht wissen konnten: Das Regenwasser war mit Pestiziden vergiftet. Das war eine bittere Erfahrung, die aber so oder ähnlich sehr viele Imker machen mussten. Zwar sterben in einem solchen Fall die Bienenvölker nicht komplett ab, der Schaden für die Entwicklung der Bienen ist aber enorm.​

Wie kann Bienensterben verhindert werden?

Lautemann: Ein Totalverbot aller Neonicotinoide ist absolut notwendig. Wir brauchen außerdem mehr blühende Dauerkulturen, wie es etwa die Durchwachsene Silphie ist. Diese Pflanze ist eine gute Alternative zu Mais und könnte zur Gewinnung von Biogas verwendet werden. Außerdem sollte es mehr Informationen darüber geben, wo diese Pestizide ausgebracht werden. Eine offene und vielschichtige Beratung der Landwirte wäre genauso dringend notwendig.​

Was kommt Ihrer Meinung nach in der Bienen-Debatte zu wenig vor?

Lautemann: Die Rolle der Konsumentinnen und Konsumenten. Jeder und jede kann mit seinen Konsumentscheidungen dazu beitragen, dass es ein Umdenken gibt. ​

Und wie soll es in Zukunft aussehen?

Lautemann: Mein Wunsch wäre eine naturnahe, vielfältige Landwirtschaft mit einem wesentlich höheren Anteil an Bio-Betrieben. So würden die notwendigen Erträge gesichert und die Bienen, Schmetterlinge  und eine Reihe von Insekten geschützt werden.​