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am 27. Juli

Thema Wolf: Lösungen statt Hetze. Alm- und Weidewirtschaft schützen und stärken.

Olga Voglauer - Keinem Almbauern, keiner Almbäuerin ist geholfen, wenn man auf den Almen Wolfswarnschilder aufstellt.

Die aktuelle Diskussion über unsere Almwirtschaft und die Herausforderungen mit den großen Beutegreifern am Beispiel des Wolfes ist nun auch in Kärnten angekommen. Lernend von den Bundesländern Tirol und Salzburg, wo die Diskussion bereits über einen hetzerischen Kipppunkt hinaus eskaliert ist, könnte Kärnten mit gutem Beispiel voran gehen und praktikable Lösungen für die Bäuerinnen und Bauern präsentieren.

„Blicken wir derzeit nach Tirol, muss uns allen bewusst sein, dass diese Hetze zum Thema Wolf absolut kontraproduktiv ist. Keinem Almbauern, keiner Almbäuerin ist geholfen, wenn man auf den Almen Wolfswarnschilder aufstellt. Der Wolf kann nicht lesen, die Touristen schon,“ ärgert sich Olga Voglauer, Landessprecherin der Kärntner Grünen.

Bei den vielen Falschinformationen der letzten Tage und Wochen ist es dringend an der Zeit, den Bäuerinnen und Bauern reinen Wein einzuschenken. „Wer hier einen Abschuss verspricht, wer meint, die EU müsse das lösen, drückt sich vor der eigentlichen Arbeit. Das Land Kärnten ist gefordert, nun erste Maßnahmen zu setzen, die unseren Betrieben dabei helfen, ihre Almen zu erhalten. Vom Abschuss fantasieren die Verantwortlichen in Tirol zB schon seit Jahren – gebracht hat es den einzelnen Betrieben nichts!“ so Voglauer.

Jagd und Naturschutz sind Aufgaben des Landes. Auch Kärnten ist Mitglied im "Österreichzentrum Bär-Wolf-Luchs", welches zum Management von Wölfen klare Empfehlungen abgegeben hat.

In Anlehnung an den Leitfaden konkretisieren "Die Grünen Kärnten" gemeinsam mit den "Grünen Bäuerinnen und Bauern Kärnten" ihre Forderungen in folgenden 5 Punkten:

1. Attraktivierung und Belebung der Almwirtschaft (Almauftrieb muss sich für die Bauern wieder lohnen, Mehrwert für Tourismus und Naturgefahrenmanagement muss abgegolten werden.)

2. Aktive Behirtung durch geschultes Personal (Hirten und "Alm-Ranger"). Finanziert von Land, Bund und EU. Schafft Arbeitsplätze und entlastet die Landwirtinnen. Ausgebildet über das Ländliche Fortbildungsinstitut (LFI).

3. Herdenschutz dort umsetzen, wo räumlich zumutbar und sinnvoll. Betroffene Landwirtinnen rechtzeitig einbinden.

4. Beutegreifer-Monitoring zB durch Besenderung forcieren, im Bedarfsfall "Vergrämungsmaßnahmen" umsetzen.

5. Entnahme von Problemtieren

Grundsätzlich bekennt sich unsere Gesellschaft zur Bedeutung und den Schutz der großen Beutegreifer. „Es darf aber nicht sein, dass die finanzielle und die emotionale Last und nicht zuletzt auch die Arbeitsbelastung von den Bäuerinnen und Bauern allein getragen werden müssen,“ betont Reinhard Stückler, Grüner Kammerrat in der LK-Kärnten.

Zur Finanzierung schlagen wir daher vor:

  • Schaffung eines Fonds, welcher die Ausbildung und Entlohnung von Hirten und Hirtinnen zu 100% finanziert und welche den Bäuerinnen und Bauern zur Verfügung gestellt werden. Die Finanzierung kann über die EU im Rahmen von Life+ Projekten und der gemeinsamen Agrarpolitik erfolgen. Sie muss unbürokratisch sein.

(Anmerkung:) Heuer wurden im Landwirtschaftsministerium über Nacht selbstständig 60 Mio EUR als Entschädigung für die Schweinebauern auf Grund der schwächelnden Preise zur Verfügung gestellt.  Man sieht: wo ein Wille, da ein Weg. Nimmt man 1/3 der Summe, könnte man die Behirtung in ganz Österreich neugestalten, die Almbewirtschafter*innen entlasten und unserer Almen retten.

Beispielgebend ist bei der Behirtung ist Frankreich, wo die Kosten für Behirtung und Herdenschutz vom Staat zu 100% übernommen werden. Dass die Behirtung funktioniert, beweist auch die Schweiz, wo auf eine ausgeschriebene Hirten-Stelle 25 Bewerbungen kommen.

Voglauer und Stückler betonen abschließend: ,„Die großen Beutegreifer siedeln sich wieder an und sie werden nicht um unser Einverständnis fragen. Zu dieser Einsicht sollte man auch in Kärnten rasch kommen und neue Arbeitsplätze schaffen. Für den Schutz unserer Almen und die Unterstützung unserer Bäuerinnen und Bauern braucht es nun einen Stufenplan, wie wir mit Problemwölfen umgehen – der Abschuss ist juristisch das letzte Mittel. Die FFH-Richtlinie sieht vor, dass wir alle abschreckenden Maßnahmen vorab zu setzen haben. Landesrat Gruber und BM Köstinger sind aufgefordert, die entsprechenden finanziellen Rahmenbedingungen herzustellen und die Zukunft der Almwirtschaft zu sichern – Schilder und Transparente in die Kamera halten, wird nicht reichen!“