gruene.at
Navigation:

Wirtschaft und Tourismus

WAS HABEN DIE GRÜNEN BISHER ERREICHT?

Kärnten wird in der Öffentlichkeit immer noch als Tourismusland wahrgenommen, obwohl die Wertschöpfung viel mehr auf Industrie und Gewerbe konzentriert ist. Trotz einiger Leitbetriebe, die sich in den letzten Jahren im Bereich der Hochtechnologie angesiedelt haben und Kärnten so auch zu einem wichtigen Microelektronik-Standort machen, ist die industrielle Basis großteils auf die Grundstoffindustrie konzentriert.

In den historisch gewachsenen Grundstoffindustrien gibt es aus ökologischer Sicht vielfach Altlasten (Blei- und Zinkabbau, Papier- und Lederindustrie, Chemische Industrie, Kohle- und Magnesitabbau, usw.), die es nach wie vor zu sanieren gilt. Doch haben sich die Unternehmen trotzdem technologisch weiterentwickelt. Die Möglichkeiten der Digitalisierung sollten hier noch zusätzliche Chancen eröffnen. Die Start-up-Szene wurde im Wesentlichen auf Klagenfurt (Lakeside-Park) und Villach (Technologiepark) konzentriert.

Diese Zentralisierung steigert die Attraktivität dieser Zentren, beschleunigt auf der anderen Seite jedoch die Abwanderungstendenzen aus den Randregionen.

Der langjährige Brain-Drain (die Abwanderung von Fachkräften und Gebildeten) und die Überalterung der Bevölkerung stellen unser Bundesland vor Herausforderungen. Durch die Digitalisierung entsteht aber durchaus die Chance für eine dynamische Wirtschaftsentwicklung in Kärnten, etwa durch neue Jobprofile, um die Wertschöpfung weiterhin für Kärnten zu erbringen. Die Regionalisierung von Produktion und Dienstleistung müssen durch die entsprechende Infrastruktur erst optimiert werden, um für Unternehmen attraktiv zu wirken - etwa im Bildungs- und Breitbandbereich, bei der Mobilität oder bei Verwaltungsverfahren. Bisher fehlte eine regionalpolitische Strategie zur Schaffung interkommunaler, regional-orientierter Industrie- und Gewerbeparks im ländlichen Raum. Dies betrifft im Übrigen auch den vielfach geforderten Breitbandausbau.

Es gibt bisher kein einheitliches Förderinstrumentarium (z.B. für Start-ups oder interkommunale Entwicklungen), sondern vielmehr Einzelprojektförderungen oder Förderungen nach dem Gießkannenprinzip. Dadurch sind solche Initiativen sehr schwierig aufzusetzen. Auch wird man den interkommunalen Strukturen weder im Bereich der Raumplanung und Genehmigungsverfahren noch im Bereich der rechtlichen und fördertechnischen Ausgestaltung gerecht. Überdies fehlen zielgerichtete Entwicklungen von regionalen Wertschöpfungsnetzwerken zwischen den bestehenden Unternehmen und Dienstleistern, die das regionale Bewusstsein fördern, dass jeder in der Region für eine erfolgreiche Wirtschaftsentwicklung verantwortlich zeichnet.

Im Tourismus gibt es zwar einen zentralen Akteur, der Beteiligungen und Projektinitiativen finanziell und fachspezifisch gestalten könnte, allerdings sind diesem durch die politischen Vorgaben wohl die Hände gebunden. Beteiligungsverwaltung steht im Vordergrund, neue Projekte werden derzeit nicht ins Auge gefasst, wodurch ein Investitionsrückstau entstanden ist.​

Eine landesweite Tourismusstrategie ist nicht erkennbar, es gibt vielmehr einen Wildwuchs an Tourismusregionen. So kommt die Tourismusentwicklung über einzelne Leuchtturmprojekte nicht hinaus, viele Initiativen bleiben in der Umsetzung stecken. Eine touristische Positionierung kann schwer ausgemacht werden. Die kleinstrukturierte Denkweise verhindert eine landesweite touristische Weiterentwicklung.

Die Situation im Bereich der Gewerbe ist regionaler strukturiert, allerdings gibt es auch hier beträchtliche Verlagerungen in die Unter- und Mittelzentren in den Bezirken. Wesentliche Wettbewerbsbeeinträchtigungen sind aufgrund der EU-Richtlinien für den freien Waren- und Dienstleistungsverkehr spürbar, da die billigere Lohnstruktur es Firmen erlaubt, preisaggressiver am Markt aufzutreten. Überdies zeigt sich eine gewisse Überalterung im Handwerk, die auch Probleme bei der Unternehmensnachfolge aufwerfen.

WAS WOLLEN DIE GRÜNEN ERREICHEN?

Top-Infrastruktur und moderne Mobilität: Die Regionen sollen besser mit dem Kärntner Zentralraum verbunden werden (etwa durch multi-modale öffentliche Verkehrsangebote), damit die Bezirke rund um Klagenfurt und Villach nicht länger als regionale Randlagen gesehen werden.

Wir Grünen denken interkommunal und vernetzt: Grüne Wirtschaftsentwicklung basiert auf interkommunalen Strukturen, wobei hier die Werkzeuge überwiegend erst geschaffen werden müssen.

Nötig sind klare Förderstrukturen, die von jedem Projektwerber leicht in Anspruch genommen werden können - Instrumente mutiger Raumplanung und die Vereinfachung bei Verwaltungsverfahren sollen dies erleichtern -, Regionalentwicklung im besten Sinne, damit Schwerpunkte für die Regionen geschaffen werden können, sowie die Schaffung regionaler Wertschöpfungsnetzwerke zur Identifikation der Bürgerinnen mit der Region.

Vernetzung bedeutet für auch den Ausbau digitaler Breitbandtechnologie landesweit als eine Priorität zu sehen, damit Chancengleichheit für die Regionen hergestellt werden kann.

Aus grüner Perspektive braucht es regionale Wirtschaftsstrukturen, um den Abwanderungstendenzen wirkungsvoll entgegenzustehen. In diesem Sinne fordern wir einen Wirtschaftsmasterplan für Kärnten und für die Regionen, damit Perspektiven entwickelt und auch die Chancen der Digitalisierung genützt werden.

Nachhaltige Produktionskonzepte sollen für Kärnten in den Mittelpunkt gestellt werden: So etwa der Aufbau kreislaufwirtschaftlicher Systeme, ‚lean‘ und ‚green‘ Initiativen zur Vermeidung von Verschwendung, ‚Sustainable Manufacturing´ im Sinne nachhaltiger Produktionsstrukturen und qualitativer Wachstumsstrategien, sowie die Umsetzung der Ziele für eine CO2-arme Wirtschaft.

Erwerbsmöglichkeiten vor Ort garantieren auch in Zukunft lebendige Ortszentren und ein vielfältiges Kulturleben, die Erhaltung öffentlicher Infrastruktur (z.B. Bildungs- und Betreuungseinrichtungen). Eine Wirtschaft, die die Ökologie respektiert und von Nachhaltigkeit inspiriert ist, schafft aus Grüner Sicht weitere Potentiale für Green Jobs, wobei die Ansätze der „Industrie 4.0“ in diese Richtung verstärkend wirken können.​

Die Sichtweise der Grünen in Bezug auf Förderungen ist klar: Richtlinien sind die Voraussetzung für eine sachgemäße Förderabwicklung frei von Parteipolitik. Servicestrukturen zur gemeinschaftlichen Abwicklung aller Förderanliegen sind aufzubauen. Insgesamt braucht es eine effiziente Verwaltung, die der digitalen Welt der Unternehmen und Bürgerinnen auch gerecht werden kann.

Dies bedeutet eine wesentliche Verkürzung der Verfahren, die Entflechtung der Verwaltungsabläufe, auch in finanzieller Hinsicht, die Serviceorientierung der Verwaltung als oberste Handlungsmaxime und generell eine Effizienzsteigerung der Verwaltungsabläufe.

Moderne Wirtschafts- und Arbeitsstrukturen brauchen ein flexibles Bildungssystem von der Kinderbetreuung bis zu Angeboten für die Erwachsenenbildung. Hier kann das Land aus Sicht der Grünen Angebote schaffen, um den Flexibilitätsanforderungen der Digitalisierung zu entsprechen. Die Universität, die Fachhochschule und die Erwachsenenbildungsinstitutionen sind mit entsprechenden Programmen zu beauftragen, damit in Kärnten Wissen barrierefrei möglich wird.

Wir stehen für ökologisch verträglichen Qualitätstourismus als Landesstrategie, der Kärnten als Ganzjahres-Tourismusdestination neu positioniert. Denkbar sind Kulturtourismus, Natur- und Abenteuertourismus, Angebote für beeinträchtigte Personen und Seniorinnen. Aufgrund der Auswirkungen des Klimawandels wird eine Neudefinition für den Wintertourismus notwendig werden. Hier gilt es, Alternativen zu definieren und auch die Umsetzung voranzutreiben​